Fail an der Rotschrofenspitze – oder wie aus Fehleinschätzung und Muffensausen doch noch ein schönes Erlebnis wird

In einem Seitental des Lechtals liegt die die Gemeinde Kaisers, welche mit weniger als einem Einwohner je km² die am dünnsten besiedelte Gemeinde Österreichs ist.

Unser Ziel dort war die Rotschrofenspitze. Ein Auszug aus dem Tourenportal lautet: Trittsicherheit, alpine Erfahrung und Schwindelfreiheit sind für eine Besteigung der Rotschrofenspitze Voraussetzung. Der Gipfel sollte nur bei trockener Witterung bestiegen werden, da sehr steile Grasflanken gequert bzw. bestiegen werden müssen.

Fazit des Tages: Das Tourenportal hatte mit der Beschreibung recht und die Rotschrofenspitze streichen wir zukünftig als Zielgipfel. Der Alternativgipfel “Hanhleskopf” (Bild) war uns dann doch sympathischer und der war auch wesentlich entspannter.

Vorhang auf, Film ab!

Die Story dazu

Bereits im Mai 2018 hatten wir vor die Tour auf die Rotschrofenspitze zu machen, sind damals aber gar nicht so weit gekommen, da noch zu viel Schnee lag (siehe Blogeintrag hier). Bei der aktuellen Tourenplanung ist Wolfram aber darüber gestolpert, dass der Gipfelanstieg als “schwierig” (=schwarz) gekennzeichnet ist, und mit “steilen Flanken” und auf “ausgesetztem Grat verlaufend” beschrieben ist. Die Kombination ausgesetzt + steil + Grat ist allerdings auch Wolframs Horrorkombination, weshalb wir zur Sicherheit noch eine Ausweichroute auf einen einfachen Nachbargipfel (“Familienfreundlich”) als Alternative ausgesucht hatten. Die Entscheidung wollten wir spontan vor Ort treffen, wenn wir die Berge sehen und die Situation besser einschätzen können.

Entscheidungen treffen

Nach ca. einer Stunde und 500 Höhenmetern sind wir an der Weggabelung gestanden, an der wir uns entscheiden mussten welchen Weg wir einschlagen. Julia hat die Entscheidungsinitiative ergriffen und sich für den Weg zur Rotschrofenspitze ausgesprochen. Ok – dann machen wir das. Wie sich erst später herausstellte, hatten wir mangels anständiger Kompassnavigation zu dem Zeitpunkt auch den falschen Gipfel im Visier gehabt … was sich noch als nachteilig herausstellte.

Schon nach wenigen Metern war die erste enge Stelle zu überwinden, bei der es gehörig steil nach unten ging, Wolfram das erste mal etwas flau im Magen wurde und das Selbstbewusstsein (inkl. Stimmung) damit ebenso steil nach unten gingen. Dies wurde auch nicht besser als wir durch hüfthohe Blumenwiesen in ein tolles und völlig einsames Seitental gewandert sind.

Durch Blumen wandern als Stimmungsaufheller

Dort haben wir endgültig realisiert, dass wir die ganze Zeit den falschen Gipfel als Ziel ausgemacht hatten. Wir sind trotzdem weiter, bis wir nach einem steilen Wiesenanstieg am engen Falmedonjoch auf 2381 m angekommen sind. Am Joch selbst waren Werkzeug, Seil- und Drahtrollen gelagert, weil der dort ankommende Klettersteig kurz zuvor von einem Felsabbruch beschädigt wurde. Sehr beruhigend hat das Ambiente dort also auch nicht gerade gewirkt.

Beim Anblick des eigentlichen Gipfelaufstiegweges und der Beschilderung (noch 45 Minuten) war dann für Wolfram klar: Da gehe ich nicht weiter – und ich will eigentlich auch wieder runter von diesem engen Joch.

Die Alternative – den Hahnleskopf

Nach einer Pause haben wir schließlich entschieden die Alternativroute auf den den Gipfel des Hahnleskopf noch zu machen – obwohl wir dachten das wird eine eher langweilige (familienfreundliche) Runde. Mittlerweile ziemlich allein Berg (es war schon Nachmittag) waren wir nach ca. 2 Kilometern Fußweg plötzlich auf einer schönen Hochebene gestanden und konnten unser ursprüngliches Gipfelziel aus der seitlichen Perspektive erblicken.

Seitliche Silhouette der Rotschrofenspitze (Bildmitte)

Spätestens da war klar, dass das nicht unsere Gipfelliga ist. Viel mehr hat sich aber ein tolles und imposantes Gipfelpanorama eröffnet, welches wir hier gar nicht vermutet hätten.

Die Wiesen wurden grüner, die Blumen bunter und die Stimmung wurde besser. So sind wir bei schönster Nachmittagssonne am Hahnleskopf angekommen und hatten den herrlichen Aussichtsgipfel fast für uns alleine. Selbst der Abstiegsweg war ungewohnt kurzweilig und angenehm zu gehen. 

Zusammenfassung und Fazit:  Eine toller und abwechslungsreicher Bergtag – trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der unterschiedlichen Eindrücke und Stimmungen. 

Eindrücke vom Hahnleskopf

Location und Route

Ein Klick auf unsere ActiveMap zeigt Dir die Wanderung in google-Maps mit unseren bisherigen Locations und Wanderrouten sowie weiterführende Links.

Eine Beschreibung von Outdooractive. Dabei ist beruhigend zu sehen, dass andere die gleiche Strecke auch gehen und ebenfalls an der fast gleichen Stelle umkehren 😉

#Austria #Lechtal #Summit #Gipfel

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