Unfall am Berg – eine intensive Erfahrung an der Köllenspitze

An unserem langen Wochenende sollte mindestens eine Gipfeltour dabei sein. In der Region rund um unsere Unterkunft (dem Gimpelhaus auf 1659 Metern) an der Roten Flüh gibt es einige davon – die aber zum Teil für normale Bergwanderer wie uns unerreichbar sind.

So hat Wolfram die Köllenspitze ausgesucht, die von zwei Seiten aus begangen werden kann. Die im Foto dargestellte Seite ist die mit einem schwierigen Klettersteig (das kommt für uns nicht in Frage), an der Rückseite ist eine Bergtour mit einfachen Kletterstellen – so haben wir die Kurzbeschreibung im Internet verstanden.

Die beeindruckende Köllenspitze (Mitte). Wir sind “von links hinten” aufgestiegen, siehe Beschreibung unten (Bild von Luidger CC BY-SA 3.0)

Dass es im Bereich des Gipfelanstieges anspruchsvoll und steil werden kann war uns bewusst. Da die Strecke vom Gimpelhaus zum Gipfel aber auch nur ca. 2 km beträgt, sind wir von einer kurzen Vormittagstour ausgegangen.

Der Aufstieg

Schon der Einstieg in den Gipfelweg war interessant und hat einen kleinen Vorgeschmack gegeben.

Nach einigen Metern hat die Tour dann auch Einblick gegeben, wie es weiter geht. Viel Fels und viele kleine Kletterstellen, die aber selten ausgesetzt oder besonders schwierig waren. Auffallend war, dass viele Wanderer einen Helm getragen haben, was sich aber auch daraus erklärt, dass der Weg auch als Abstieg für die Klettersteiggeher beschrieben war. Allerdings ist dort oben wohl überall mit Steinschlag zu rechnen – besonders wenn viele Leute am Berg sind und dann beim Gehen die Steine lostreten. 

Nach einer etwas unangenehmen Querung, die dann doch ziemlich tief hinunter blicken lies, geht es eine spannende und schöne Rinne hinauf, die immer wieder einen tollen Blick auf den Haldensee freigegeben hat.

Der Gipfel

Am Gipfel angekommen. Ein traumhafter Ausblick – ist ja auch der höchste Berg im Tannheimer Tal mit 2.238 Metern. 

Der Rückweg ist die gleiche Strecke wie im Aufstieg – nur Runtersteigen ist meist unangenehmer und schwieriger als Hinaufsteigen – aber auch das war kein großes Problem und hat sogar Spaß gemacht. Nachdem wir die Querung hinter uns hatten war der schwierigste Teil geschafft und wir haben uns schon auf ein kühles Bier auf unserer Sonnenterrasse gefreut. (Blick in die Zukunft: Genau das haben wir genau ein Jahr später nachgeholt).

Der Unfall

Wolfram war schon ein paar Meter weiter unten gestanden und Julia ist noch einen engen Kiesweg – Blickrichtung Tal – herunter gelaufen. Wie bereits mehrfach an diesem Tag ist von oben ein Stein herabgefallen. Aber diesmal war der Stein ziemlich groß, deutlich hörbar, ist mehrfach am Boden aufgeschlagen und hat dabei jedes mal seine Flugrichtung etwas geändert – allerdings immer so in der Falllinie, in der auch Julia gegangen ist. 

Route und Unfallstelle – auf dem Rückweg

…aber man denkt ja auch nicht, dass so ein Stein am Berg jetzt gerade zufällig die einzige Person im Weg auch noch trifft, sondern eben rechts oder links irgendwo vorbei fliegt oder sonst was…. 

Nach dem letzten Aufsetzer hat der Stein seine Richtung noch mal leicht geändert – genau Richtung Julia. Wolfram hatte den Stein schon gesehen und noch ein “Vorsicht” (oder was ähnliches) gerufen … Julia hat aus Reflex die Hände über den Kopf genommen. Treffer. 

Nach einem kurzen Moment, in dem man glaubt man ist im falschen Film, das kann doch gar nicht sein – wie kann so ein Stein genau Julia treffen? Verwirrung, Blut, Julia sitzt aber und schaut die Hand an, die stärker blutet. Am Kopf nur wenig Blut, …

Nur Augenblicke später war uns aber auch bewusst, dass es viel schlimmer hätte kommen können. Trotzdem waren wir in den ersten Momenten so plan- und hilflos, nicht mal ein Pflaster dabei, dass wir froh waren, als nach wenigen Minuten bereits der erste Bergsteiger bei uns war, etwas Ruhe reingebracht und Verbandszeug dabei hatte.

Mittlerweile sind noch andere Leute gekommen, die allerdings dachten wir würden auf dem Weg Pause machen und uns noch zugerufen haben, wir sollen da weg, weil wir in der Steinschlagzone sind … ja – das war uns klar. Nach einigen Minuten hatte sich Julia wieder gefangen und konnte auch wieder stabil gehen.

Der Stein

Wolfram war zu dem Zeitpunkt klar, dass Julia unglaubliches Glück hatte und hat “den Stein”, der nur wenige Meter weiter liegengeblieben war, als “Andenken” in den Rucksack gepackt. Zwei Tag später, zurück in Stuttgart haben wir Ihn gewogen, 2,600 kg !

der Stein

Hilfsbereitschaft und Bewusstsein

Eine, und die zugleich höchste Kletterstelle, lag noch vor uns. Dort haben bereits einige Bergsteiger gewartet, die uns gesehen hatten. Sie haben Julia sofort den Rucksack abgenommen und beim Hochklettern geholfen. 

Auf der anschließenden Wiese haben wir erst mal eine Pause eingelegt und durchgeatmet. Vom Kopf kam kein Blut mehr und die Hand hat man (wegen des Verbandes) nicht gesehen. Hier kam erste Erleichterung auf, dass es offenbar noch mal glimpflich ausgegangen ist. Auch Julia hat erkannt, dass Sie Glück hatte und in diesem Moment haben die Wunden wohl auch nicht besonders geschmerzt. Alle Wanderer die nun kamen fragten, ob die Blutflecken oben von Julia sind und wollten wissen, wo wir hin müssen, ob Sie helfen können etc. Die Hilfsbereitschaft hat gut getan, da wir gesehen haben, dass es viele Leute gibt, die geholfen hätten.

Nach langsamen Abstieg zum Gimpelhaus war unser Plan dort nach Erster-Hilfe zu fragen, da es sicher häufig passiert, dass Kletterer mit Platz- oder Schnittwunden in der Hütte ankommen. Wir wurden dort mit Verbandmaterial versorgt und wollten den Verband an der Hand selbst wechseln. Als Julia dann die Wunde am kleinen Finger gesehen hat …kreideweiß und die Aussage “Ich glaub ich sehe den Knochen”… war klar, wir müssen doch zum Arzt.

Nach kurzer Rücksprache mit dem Hüttenwirt wussten wir auch, wir werden runter ins Tal zum Auto laufen müssen und in die nächste (deutsche) Klinik nach Pfronten fahren. Stirnlampen haben Sie uns zur Sicherheit mal mitgegeben, falls wir es nicht mehr rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück schaffen.

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